Mittelmeerreise-Bordfest und bajuwarischer Fünfkampf

Im Mai 1973 zwischen Formentera und Ibiza wird auf dem Zerstörer Z3 ein Bordfest befohlen, mit Wettkämpfen und einem Gottesdienst auf Z5 eine willkommene Abwechslung einer Seereise des 1. Zerstörer Geschwaders.

Mit den Zerstörern der Fletscher Klasse Z2, Z3 und Z5, ausgelaufen von Kiel zur Übung und Ausbildung in außerheimischen Gewässern durch den Atlantik in das westliche Mittelmeer. In der Nordsee stießen die Fregatte Braunschweig und der Versorger Westerwald, neben der an der Reise beteiligten Münsterland zum Verband.

Der bajuwarische Fünfkampf ist mein Wettkampf. Er besteht aus Fingerhakeln, Armdrücken, Liegestütz, Ring Kampf und Schnelltrinken. 32 Mann beginnen im Ausscheidungswettkampf Mann gegen Mann bis zum Schluss 2 zum Biertrinken überbleiben. Wobei der Ring Kampf nicht der klassische Ringkampf gemeint ist, sondern es wird ein Ring aus Tau um die Nacken zweier Gladiatoren gelegt und nun versucht man den Gegner kniend von der Matte zu befördern. Nachdem die ersten 4 Wettkämpfe gewonnen wurden, bleiben zwei Mann über um 3 Gläser Pilsener Urquell so schnell wie möglich auszutrinken. Ich bin dabei und nach dem ersten kräftigen Schluck ist sofort zu erkennen, ich habe keine Chance, dem anderen fehlt das Schluckorgan oder er kann das mit einem Trick ausschalten. Sein erstes Glas ist leer und ich trinke meine drei ab sofort in Ruhe und genieße das leckere Bier, während mein Gegner den Sieg feiert.  

 

Nach Festmachen in Ceuta für 2 Tage geht es weiter mit Übungen und zum Wochenende liegen wir in Toulon. Wir mieten einen Wagen und fahren die Cote d‘ Azur ab. Hauptziel ist Monaco, einmal Caroline sehen und dann sterben, ist die Devise. Leider ist am Schloss keiner zu sehen und müssen uns mit einem anderen Exemplar des weiblichen Geschlechts trösten.

Der Wachhabende auf der Brücke befiehlt Heißdampf und nach einiger Zeit wird der Dampf unsichtbar und gefährlich, der Zerstörer wird schnell und die Hecksee kocht.

Unter Heißdampf im Kessel läuft der Zerstörer mindestens 28 Knoten zur U-Boot Jagd mit abschließendem Abschuss von Wasserbomben. Natürlich ohne U-Boot, den Mittelmeerfischen hat das sicher nicht gefallen. Die Geschwindigkeit nötig, um sich nicht die eigenen Schrauben  zu gefährden

Versorgungsmanöver im Mittelmeer zwischen der Westerwald und dem Zerstörer Z3. Was ist da im Korb, ist der leer? Ich stehe in der Steuerbordnock und habe Ausguck während des Manövers. Ich glaub eine Zigarrenkiste im Korb gesehen zu haben, muss für den Chief sein. Wir sehen ihm am Tauanfang unten im Bild und Zigarren rauchen scheint nicht zu schaden.

Nach getaner Übung und auch ein bisschen Vergnügen geht es wieder Richtung Heimathafen Kiel. Auf dem Generalkurs, eingezeichnet in die Seekarte durch den Kommandanten, übt das Geschwader Konvoi Fahrt im Atlantik. Wir laufen im Zick-Zack Kurs über dem Generalkurs, um einem imaginären U-Boot den eventuellen Angriff schwer zu machen. Beschützt werden unsere beiden Versorger mit der wertvollen Fracht, wie Zigarren und Pilsener Urquell. Mein zweiter Platz im bajuwarischen Fünfkampf zeigt sich als positiv, das Stellen der Uhren im Schiff wird erheblich leichter. Denn im Heizerdeck liegt ganz am Ende eine kleine Werkstatt mit einer dieser Uhren. Der Weg in der Regel versperrt durch Heizer, die wachfrei sind und auf der Koje sitzen, die Füße gegenüber abgelegt. Da ist normalerweise Rückzug angesagt, denn unsere Heizer waren nicht gerade friedliche Gesellen. Gab es keinen anderen Feind, waren auch die Kopfgesteuerten, also auch ein Navgast gern mal Opfer. Für mich war ab sofort der Weg frei und die Beine machen demonstrativ Platz. Der Steuermanns Maat, der bisher jedes Mal fragt, ob die Uhr im Heizerdeck gestellt ist, bekommt die erste positive Antwort während seiner Dienstzeit und ist offenbar schwer beeindruckt und erstaunt. Mich da vorher ausdrücklich hin zu schicken war eigentlich eine mies gestellte Falle in ein  mögliches Verderben

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